Du hast gerade den Kot deines Hundes aufgesammelt und etwas Weißes darin gesehen, das sich bewegt. Oder dein Welpe kratzt sich ständig am Hintern und sein Bauch wirkt aufgebläht. Vielleicht hat der Tierarzt bei der letzten Untersuchung Wurmeier im Kot gefunden — ohne dass du irgendetwas bemerkt hättest. Würmer beim Hund sind einer der häufigsten Gründe für Tierarztbesuche, und gleichzeitig einer der am häufigsten unterschätzten.
- Behandelbar, aber nicht ignorierbar: Würmer sind gut therapierbar — unbehandelt können sie jedoch zu ernsthaften Organschäden führen und auf Menschen übertragbar sein.
- Vier häufige Arten: Spulwürmer, Hakenwürmer, Peitschenwürmer und Bandwürmer — jede mit anderen Symptomen und anderen Ansteckungswegen.
- Welpen sind besonders gefährdet: Sie können sich bereits im Mutterleib oder über die Muttermilch infizieren.
- Sichtbar im Kot: Weiße, bewegliche Glieder oder Würmer im Kot sind ein eindeutiges Zeichen — aber viele Infektionen verlaufen zunächst ohne sichtbare Symptome.
- Zoonose-Risiko: Spulwürmer und Hakenwürmer können auf Menschen übergehen — besonders gefährlich für Kinder und immungeschwächte Personen.
- Kotuntersuchung beim Tierarzt: Einzige sichere Diagnose; Flotation allein übersieht viele Infektionen.
Welche Würmer kommen bei Hunden vor?
Nicht jeder Wurm ist gleich. Die vier wichtigsten Gruppen unterscheiden sich darin, wo sie im Körper leben, wie sie Schaden anrichten und wie du sie erkennst.
Spulwürmer (Toxocara canis)
Spulwürmer sind die häufigsten Darmparasiten bei Hunden weltweit[1]. Ausgewachsene Würmer können bis zu 18 cm lang werden und sehen aus wie helle Spaghetti. Im Kot oder Erbrochenen sind sie manchmal mit bloßem Auge sichtbar. Besonders tückisch: Die Larven wandern durch den Körper — durch Leber, Lunge, manchmal sogar ins Gehirn — bevor sie sich im Darm festsetzen. Das erklärt, warum befallene Welpen husten, bevor Durchfall auftritt.
Spulwurmeier sind extrem widerstandsfähig. In der Umwelt überleben sie unter günstigen Bedingungen über Monate, teils Jahre. Innerhalb weniger Tage reifen frisch ausgeschiedene Eier zu infektiösen Larven heran. Das macht kontaminierte Böden — Sandkästen, Hundeparks, Gartenerde — zu dauerhaften Infektionsquellen.
Hakenwürmer (Ancylostoma caninum, Uncinaria stenocephala)
Hakenwürmer sind klein (unter 2 cm) und mit bloßem Auge kaum erkennbar. Sie bohren sich in die Darmschleimhaut und saugen Blut — ein einziger Haken kann täglich bis zu 0,1 ml Blut entziehen. Bei starkem Befall, besonders bei Welpen, führt das zu lebensbedrohlicher Blutarmut. Charakteristisches Zeichen: teerartiger, dunkel verfärbter Durchfall durch verdautes Blut.
Hakenwürmer können nicht nur oral aufgenommen werden — ihre Larven dringen aktiv durch die Haut ein, zum Beispiel beim Liegen auf kontaminiertem Boden.
Peitschenwürmer (Trichuris vulpis)
Peitschenwürmer leben im Blinddarm und verursachen chronischen, schleimigen Durchfall sowie Gewichtsverlust[7]. Sie sind häufiger bei erwachsenen Hunden als bei Welpen. Ihre Eier sind sehr robust und können im Boden jahrelang überleben. Im Kot sind sie nicht sichtbar — die Diagnose läuft ausschließlich über die Kotuntersuchung.
Bandwürmer (Dipylidium caninum, Echinococcus)
Bandwürmer bestehen aus Gliedern, die sich vom Hauptkörper lösen und im Kot oder um den Analbereich erscheinen. Diese Glieder sehen aus wie Reiskörner oder Gurkenkerne — manchmal bewegen sie sich noch. Dipylidium caninum wird über Flöhe übertragen: Der Hund schluckt beim Putzen infizierte Flöhe. Echinococcus — der Fuchsbandwurm — ist die gefährlichste Art, weil er beim Menschen schwere Organzysten bilden kann und in Deutschland vorkommt.
Giardien sind streng genommen keine Würmer, sondern einzellige Parasiten (Protozoen). Sie werden aber häufig im gleichen Atemzug genannt, weil sie ähnliche Symptome verursachen und ebenfalls über Kotuntersuchungen diagnostiziert werden. In einer europäischen Studie mit 2.469 Hunden aus 12 Ländern wurden Giardien in 83 von 100 Hundeparks nachgewiesen — der Erreger ist also praktisch überall präsent[3]. Wenn dein Hund anhaltenden, schaumigen Durchfall hat, sollte der Tierarzt gezielt auf Giardien testen.
Wie erkennst du Würmer bei deinem Hund?
Das Problem: Viele Wurminfektionen verlaufen wochenlang ohne auffällige Symptome. Wenn Zeichen auftreten, sind sie oft unspezifisch. Trotzdem gibt es Muster, auf die du achten kannst.
Sichtbare Zeichen im Kot und am Körper
Weiße Würmer oder Glieder im Kot: Spulwürmer sehen aus wie helle, manchmal bewegliche Spaghetti. Bandwurmglieder sind flach, weiß bis gelblich, etwa reiskorngroß — sie erscheinen oft direkt am After oder auf dem Fell rund um den Schwanz. Wenn du das siehst, ist die Diagnose praktisch gestellt.
Schleimiger oder blutiger Stuhl: Schleimbeimengungen deuten auf Peitschenwürmer oder Giardien hin. Dunkel verfärbter, teerartiger Kot ist ein Warnsignal für Hakenwürmer — hier geht Blut verloren.
Reiben am Boden (Schlittenfahren): Der Klassiker, der oft Bandwürmern zugeschrieben wird. Tatsächlich ist Analdrüsenprobleme häufiger die Ursache — aber bei gleichzeitigen anderen Symptomen lohnt die Kotuntersuchung.
Allgemeinsymptome
Aufgeblähter Bauch bei Welpen: Ein kugelrunder, harter Bauch bei einem jungen Hund ist bis zum Beweis des Gegenteils ein Spulwurmbefall. Die Würmer füllen buchstäblich den Darm.
Husten: Klingt ungewöhnlich für einen Darmparasiten — aber Spulwurmlarven wandern durch die Lunge. Welpen husten manchmal, bevor Magen-Darm-Symptome auftreten.
Gewichtsverlust trotz gutem Appetit: Der Hund frisst normal oder sogar mehr als sonst, nimmt aber nicht zu oder verliert Gewicht. Die Würmer entziehen dem Darm Nährstoffe.
Stumpfes Fell, Abgeschlagenheit: Unspezifisch, aber bei chronischem Befall typisch.
Blutarmut-Zeichen: Blasse Schleimhäute (Zahnfleisch, Augeninnenseite), schnelle Erschöpfung, beschleunigter Herzschlag — das sind Zeichen für starken Hakenwurmbefall und ein medizinischer Notfall bei Welpen.
- Blasse oder weiße Schleimhäute beim Welpen — mögliche lebensbedrohliche Blutarmut durch Hakenwürmer
- Teerartiger, schwarzer Durchfall — Blutung im oberen Darmtrakt
- Stark aufgeblähter Bauch + Erbrechen von Würmern beim Welpen — massiver Spulwurmbefall
- Neurologische Symptome (Taumeln, Krampfanfälle) — Larven im Nervensystem
- Anhaltender Durchfall über 48 Stunden bei Welpen unter 12 Wochen — Dehydrierung tritt schnell ein
Wie steckt sich ein Hund an?
Die Ansteckungswege sind vielfältiger als die meisten Halter wissen — und erklären, warum regelmäßige Entwurmung selbst bei Hunden sinnvoll ist, die kaum Kontakt zu anderen Tieren haben.
Über kontaminierten Boden und Kot: Der häufigste Weg. Wurmeier überleben im Boden monatelang. Dein Hund schnüffelt, leckt, frisst Gras — und nimmt dabei Eier auf. In einer Studie in europäischen Hundeparks wurden in 93 von 100 Parks Nematodeneier oder Giardien nachgewiesen[3].
Über Beutetiere und rohes Fleisch: Mäuse, Kaninchen und andere Kleintiere sind Zwischenwirte für Spulwürmer und Bandwürmer. Hunde, die jagen oder rohes Fleisch bekommen, haben ein deutlich höheres Infektionsrisiko. Rohes Fleisch sollte entweder 10 Minuten auf mindestens 65°C Kerntemperatur erhitzt oder für mindestens eine Woche bei -17 bis -20°C eingefroren werden, um Larven abzutöten.
Über Flöhe: Bandwürmer vom Typ Dipylidium caninum brauchen Flöhe als Zwischenwirt. Ein Hund mit Flohbefall hat deshalb ein erhöhtes Bandwurmrisiko — und umgekehrt: Bandwurmbefall ist oft ein Hinweis, dass auch Flöhe im Spiel sind.
Pränatal und über Muttermilch: Toxocara-Larven können die Plazentaschranke überwinden und Welpen bereits im Mutterleib infizieren[1]. Über die Muttermilch läuft die Übertragung in den ersten Lebenswochen weiter. Das ist der Grund, warum Welpen schon ab der zweiten Lebenswoche entwurmt werden — nicht erst wenn Symptome auftreten.
Durch die Haut: Hakenwurmlarven dringen aktiv durch die Haut ein. Hunde, die auf feuchtem, warmem Boden liegen oder in kontaminiertem Wasser stehen, können sich so infizieren — ohne etwas gefressen zu haben.
Können Würmer vom Hund auf Menschen übergehen?
Ja — und das ist keine theoretische Gefahr. Toxocara canis ist zoonotisch und verursacht beim Menschen vier verschiedene Krankheitsbilder: viszerale, okuläre, verdeckte und neurale Larva migrans[1]. Die Larven wandern beim Menschen durch Organe, können die Netzhaut schädigen und im schlimmsten Fall zur Erblindung führen. Kinder, die in Sandkästen spielen, sind besonders gefährdet.
Hakenwürmer können beim Menschen eine kriechende Hautentzündung (kutane Larva migrans) verursachen — die Larven wandern sichtbar unter der Haut und verursachen intensiven Juckreiz.
Der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) bildet beim Menschen Zysten in Leber, Lunge und Gehirn, die jahrelang unbemerkt wachsen und lebensbedrohlich werden können.
Die wichtigste Schutzmaßnahme: Hände waschen nach dem Kontakt mit Hundekot, regelmäßige Entwurmung des Hundes, und Kinder dazu anhalten, sich nach dem Spielen im Freien die Hände zu waschen.
Welpen und Würmer: Ein besonderes Kapitel
Welpen sind nicht einfach kleine Hunde mit Würmern — sie sind eine eigene Risikogruppe. Ihre Immunabwehr ist noch nicht ausgereift, und die Parasitenlast, die ein ausgewachsener Hund problemlos toleriert, kann einen Welpen in eine lebensbedrohliche Situation bringen.
Spulwürmer können bereits im Mutterleib übertragen werden[1]. Das bedeutet: Selbst Welpen aus gewissenhaft entwurmten Muttertieren können bei der Geburt bereits infiziert sein. Ultraschall kann eine Toxocara-Infektion bei Welpen ab dem 10. Lebenstag mit 85 % Sensitivität nachweisen — früher als eine Kotuntersuchung möglich wäre[8].
Welpen unter 12 Wochen mit Wurmbefall können innerhalb von Stunden dehydrieren. Ein aufgeblähter Bauch, Erbrechen, blasse Schleimhäute oder Apathie beim Welpen sind immer ein Notfall.
Standardprotokoll für Welpen: Entwurmung ab der 2. Lebenswoche, dann alle zwei Wochen bis zur 8. Woche, danach monatlich bis zum 6. Monat. Danach richtet sich das Intervall nach Lebensstil und Risiko.
Welpen trotz Wurmkur noch befallen? Das passiert. Mögliche Gründe: Die Wurmkur wurde zum falschen Zeitpunkt gegeben (Larven sind in der Wanderungsphase nicht empfindlich für alle Mittel), das Mittel war nicht für alle Wurmarten wirksam, oder es gab eine Reinfektion kurz nach der Behandlung. Wenn Symptome nach einer Entwurmung anhalten, braucht es eine Kotuntersuchung — nicht einfach eine zweite Dosis des gleichen Mittels.
Diagnose: Was der Tierarzt macht und warum Kotuntersuchung nicht gleich Kotuntersuchung ist
Die Standardmethode ist die Flotationsuntersuchung: Kot wird in einer Salzlösung aufgelöst, Eier schwimmen oben auf und werden unter dem Mikroskop identifiziert. Das klingt einfach — hat aber eine wichtige Einschränkung.
Flotation allein übersieht viele Infektionen. Hakenwürmer zum Beispiel werden mit Flotation plus Koproantigen-Test mit 97,7 % Sensitivität erkannt — mit Flotation allein deutlich schlechter[6]. Giardien brauchen spezielle Antigen-Tests oder PCR-Untersuchungen für zuverlässige Ergebnisse.
Wenn du zum Tierarzt gehst, bring am besten eine frische Kotprobe mit — idealerweise nicht älter als 12 Stunden, in einem sauberen, verschlossenen Behälter. Drei Proben aus drei verschiedenen Tagen sind noch besser, weil die Eiausscheidung schwankt.
Kosten für eine Kotuntersuchung beim Tierarzt: etwa 15–40 Euro für eine einfache Flotation, 40–80 Euro für erweiterte Panels inklusive Giardien-Antigentest.
Behandlung: Was wirkt gegen welche Würmer
Kein einziges Wurmmittel wirkt gegen alle Parasitenarten gleichzeitig. Die Wahl des Mittels hängt davon ab, welche Würmer diagnostiziert wurden.
| Wirkstoff | Wirksam gegen | Verschreibungspflichtig |
|---|---|---|
| Fenbendazol | Spulwürmer, Hakenwürmer, Peitschenwürmer, Giardien (off-label) | Nein (rezeptfrei erhältlich) |
| Pyrantel | Spulwürmer, Hakenwürmer | Nein |
| Praziquantel | Bandwürmer | Nein (in Kombination) |
| Febantel + Pyrantel + Praziquantel | Spulwürmer, Hakenwürmer, Peitschenwürmer, Bandwürmer | Nein (Kombipräparat) |
| Milbemycinoxim | Spulwürmer, Hakenwürmer, Herzwürmer (Prophylaxe) | Rezeptpflichtig |
| Emodepsid + Praziquantel | Spulwürmer, Hakenwürmer (inkl. resistente Stämme), Bandwürmer | Rezeptpflichtig |
Das Kombipräparat Febantel + Pyrantel + Praziquantel (z. B. Drontal) erreichte in einer Studie an natürlich infizierten Jagdhunden 99,7–100 % Wirksamkeit gegen Spulwürmer und Hakenwürmer[4]. Es ist für die meisten Routineentwurmungen eine gute Wahl.
Ein wichtiger Hinweis zu Resistenzen: Es gibt bereits multiresistente Hakenwurm-Stämme, die gegen Pyrantel, Fenbendazol und Milbemycinoxim kaum noch ansprechen. In einer Studie zeigte Milbemycinoxim allein gegen einen solchen Stamm nur 8,8 % Wirksamkeit — Emodepsid + Praziquantel dagegen 99,6 %[10]. Wenn eine Entwurmung nicht anschlägt, sollte der Tierarzt das Mittel wechseln und nicht einfach die Dosis erhöhen.
Kosten für Entwurmungsmittel: Rezeptfreie Tabletten für einen mittelgroßen Hund kosten 5–20 Euro. Rezeptpflichtige Präparate oder Spot-ons mit Breitbandwirkung liegen bei 20–60 Euro. Dazu kommen Tierarztkosten für Diagnose und Beratung: 30–80 Euro je nach Praxis und Region.
Hausmittel: Was hilft, was nicht hilft
Knoblauch, Kürbiskerne, Kokosöl — das Internet ist voll von Hausmitteln gegen Würmer. Die ehrliche Antwort: Kein Hausmittel ist als alleinige Behandlung einer nachgewiesenen Wurminfektion geeignet.
Kürbiskerne enthalten Cucurbitin, das in Laborstudien eine gewisse Wirkung gegen Bandwürmer gezeigt hat — aber die Dosen, die in Tierstudien verwendet wurden, sind nicht auf die Fütterung zu übertragen, und klinische Studien beim Hund fehlen. Knoblauch ist in größeren Mengen für Hunde toxisch und hat keine belegte anthelmintische Wirkung.
Was Hausmittel leisten können: Sie unterstützen die Darmgesundheit während und nach einer Behandlung. Ein gesunder Darm erholt sich schneller von einer Infektion. Probiotika nach einer Entwurmung können helfen, die Darmflora zu stabilisieren — das ist physiologisch plausibel, aber kein Ersatz für das Wurmmittel.
Wie oft entwurmen — und wann ist eine Kotuntersuchung sinnvoller?
Die pauschale Empfehlung „viermal im Jahr entwurmen“ stammt aus einer Zeit, als es keine bessere Alternative gab. Heute empfehlen viele Parasitologen einen risikobasierten Ansatz.
- Regelmäßige Kotuntersuchung (2–4x/Jahr): Sinnvoll für Hunde mit normalem Risikoprofil — zeigt ob tatsächlich Würmer vorhanden sind, bevor du behandelst
- Routinemäßige Entwurmung 4x/Jahr: Empfohlen für Hunde mit erhöhtem Risiko (Jagdhunde, Rohfleischfütterung, Kontakt mit Kindern, Freiläufer)
- Welpen-Protokoll: Ab Woche 2, alle 2 Wochen bis Woche 8, dann monatlich bis Monat 6
- Nach Tierheimaufenthalt oder Kontakt mit vielen Hunden: Kotuntersuchung vor und nach dem Kontakt
- Blindes Entwurmen ohne Diagnose: Fördert Resistenzentwicklung und behandelt möglicherweise die falsche Parasitenart
- Immer das gleiche Mittel: Wechsel des Wirkstoffs reduziert Resistenzrisiko
- Entwurmung ohne Flohkontrolle: Bei Bandwurmbefall ist Flohbehandlung zwingend — sonst kommt der Bandwurm zurück
Kann eine Wurminfektion wiederkommen?
Ja — und das ist einer der häufigsten Frustrationspunkte für Hundehalter. Eine erfolgreiche Entwurmung tötet die Würmer im Darm. Sie schützt aber nicht vor Neuinfektion. Wenn dein Hund weiterhin in kontaminierten Bereichen spaziert, rohes Fleisch bekommt oder Kontakt zu infizierten Tieren hat, ist eine Reinfektion innerhalb weniger Wochen möglich.
Besonders bei Giardien ist Rückfall häufig — nicht weil das Mittel nicht gewirkt hat, sondern weil die Zysten in der Umgebung (Napf, Liegeplatz, Garten) überleben und den Hund erneut infizieren. Bei Giardien-Behandlung muss deshalb gleichzeitig die Umgebung desinfiziert werden.
Für Hakenwürmer gibt es zunehmend resistente Stämme — wenn eine Entwurmung nicht anschlägt, ist das kein Zeichen für eine falsche Diagnose, sondern möglicherweise ein Resistenzproblem, das den Wechsel des Wirkstoffs erfordert[10].
Wie sehen Würmer im Kot des Hundes aus?
Das hängt von der Wurmart ab. Spulwürmer sind cremeweiß bis gelblich, bis zu 18 cm lang und sehen aus wie dicke Spaghetti — manchmal noch beweglich. Bandwurmglieder sind flach, weiß bis gelblich, etwa so groß wie ein Reiskorn oder eine Gurkenkerne, und erscheinen oft um den Analbereich oder auf dem Fell. Hakenwürmer und Peitschenwürmer sind so klein, dass du sie mit bloßem Auge nicht siehst — die Diagnose läuft hier über die Kotuntersuchung beim Tierarzt.
Können Würmer vom Hund auf den Menschen übertragen werden?
Ja. Spulwürmer (Toxocara canis) und Hakenwürmer sind zoonotisch. Beim Menschen wandern die Larven durch Organe und können im schlimmsten Fall die Netzhaut schädigen oder Leberzysten bilden. Kinder sind besonders gefährdet, weil sie häufig Erde in den Mund nehmen. Wichtigste Schutzmaßnahmen: Hände waschen nach Kontakt mit Hundekot, regelmäßige Entwurmung des Hundes, Sandkästen abdecken.
Welche Symptome zeigt ein Welpe mit Würmern?
Aufgeblähter, harter Bauch ist das klassische Zeichen. Dazu kommen Durchfall (manchmal mit Schleim oder Blut), Erbrechen — manchmal mit sichtbaren Würmern —, Husten (durch wandernde Larven), stumpfes Fell und Wachstumsverzögerung. Blasse Schleimhäute und extreme Schwäche sind Notfallzeichen und erfordern sofortigen Tierarztbesuch.
Was tun wenn der Welpe trotz Wurmkur noch Würmer hat?
Erstens: Kotuntersuchung beim Tierarzt, um zu prüfen ob noch Eier vorhanden sind. Mögliche Ursachen für Therapieversagen: Das Mittel war nicht gegen alle vorhandenen Wurmarten wirksam, die Behandlung wurde zu früh gegeben (Larven in der Wanderungsphase sprechen nicht auf alle Mittel an), oder es gab eine sofortige Reinfektion aus der Umgebung. Der Tierarzt sollte das Mittel wechseln — nicht einfach die Dosis erhöhen.
Sind Hausmittel gegen Würmer beim Hund wirksam?
Nein — nicht als alleinige Behandlung einer nachgewiesenen Infektion. Kürbiskerne und Knoblauch haben keine ausreichend belegte Wirksamkeit beim Hund. Knoblauch ist in größeren Mengen zudem toxisch für Hunde. Probiotika können die Darmgesundheit nach einer Behandlung unterstützen, ersetzen aber das Wurmmittel nicht.
Wie oft sollte ich meinen Hund entwurmen?
Das hängt vom Risikoprofil ab. Hunde mit erhöhtem Risiko (Jagdhunde, Rohfleischfütterung, viel Kontakt zu anderen Hunden, Haushalt mit Kindern) sollten vier Mal im Jahr entwurmt werden. Bei Hunden mit niedrigem Risiko ist eine Kotuntersuchung zwei bis vier Mal im Jahr oft sinnvoller als blinde Routineentwurmung — so behandelst du nur, wenn tatsächlich Würmer vorhanden sind.
Wie erkenne ich Würmer beim Hund ohne Kotuntersuchung?
Sicher erkennst du nur Spulwürmer und Bandwurmglieder mit bloßem Auge — die anderen Arten sind zu klein. Indirekte Zeichen sind: aufgeblähter Bauch (besonders bei Welpen), schleimiger oder blutiger Durchfall, Gewichtsverlust trotz gutem Appetit, Reiben am Boden, stumpfes Fell. Aber: Viele Infektionen verlaufen ohne sichtbare Symptome. Die einzige sichere Methode ist die Kotuntersuchung beim Tierarzt.
Quellen
- Toxocariasis: a silent threat with a progressive public health impact. Infectious Diseases of Poverty. 2018.
- Zoonotic intestinal helminthes diagnosed in a 6-year period (2015–2020) in privately owned dogs of sub-urban and urban areas of Italy. Veterinary Parasitology: Regional Studies and Reports. 2022.
- Drake J. Detection of Giardia and helminths in Western Europe at local K9 (canine) sites (DOGWALKS Study). Parasites & Vectors. 2022. doi.org/10.1186/s13071-022-05504-x
- Field efficacy of Febantel, Pyrantel embonate and Praziquantel (Drontal Tasty) against naturally acquired intestinal helminths of hunting dogs in southern Italy. Parasites & Vectors. 2025.
- Detection of gastrointestinal parasitism at recreational canine sites in the USA: the DOGPARCS study. Parasites & Vectors. 2020.
- Diagnostic strategies to reveal covert infections with intestinal helminths in dogs. Veterinary Parasitology. 2017.
- Clinical and Diagnostic Findings in Dogs Infected with Trichuris vulpis: A Retrospective Study. Veterinary Sciences. 2024.
- Ultrasonography for early diagnosis of Toxocara canis infection in puppies. Parasitology Research. 2019.
- Gastrointestinal Parasites in Shelter Dogs: Occurrence, Pathology, Treatment and Risk to Shelter Workers. Animals. 2018.
- Efficacy evaluation of anthelmintic products against an infection with the canine hookworm (Ancylostoma caninum) isolate Worthy 4.1F3P in dogs. International Journal for Parasitology: Drugs and Drug Resistance. 2020.