Du füllst den Wassernapf zum dritten Mal an diesem Nachmittag nach — und dein Hund leert ihn wieder. Gleichzeitig bittest du ihn alle zwei Stunden raus, weil er sonst ins Haus macht. Irgendwas stimmt nicht, das spürst du. Und du hast recht.
- Kein Bagatellsymptom: Übermäßiges Trinken und häufiges Urinieren beim Hund sind fast immer ein Zeichen für eine behandlungsbedürftige Grunderkrankung — nicht für Hitze oder Stress allein.
- Grenzwerte kennen: Trinkt dein Hund mehr als 100 ml pro Kilogramm Körpergewicht am Tag, spricht man von Polydipsie; produziert er mehr als 50 ml Urin pro Kilogramm täglich, von Polyurie.
- Häufigste Ursachen: Cushing-Syndrom, Diabetes mellitus, chronische Nierenerkrankung und Diabetes insipidus stehen ganz oben auf der Liste.
- Erst messen, dann zum Tierarzt: Eine 24-Stunden-Messung der Wasseraufnahme vor dem Termin beschleunigt die Diagnose erheblich.
- Gut behandelbar: Die meisten Ursachen lassen sich mit der richtigen Therapie gut managen — aber nur, wenn sie rechtzeitig erkannt werden.
- Kosten: Die Diagnostik kostet je nach Aufwand zwischen 80 und 400 Euro; die Behandlung hängt stark von der Grunderkrankung ab.
Polyurie und Polydipsie — kurz PU/PD — sind keine eigenständigen Krankheiten, sondern Symptome. Dein Hund trinkt zu viel und uriniert zu viel, weil sein Körper aus einem bestimmten Grund aus dem Gleichgewicht geraten ist. Welcher Grund das ist, macht den entscheidenden Unterschied — für die Behandlung, die Prognose und dafür, wie dringend du heute noch zum Tierarzt musst.
Was „zu viel“ wirklich bedeutet
Viele Halter bemerken, dass ihr Hund mehr trinkt als sonst — aber wann ist es wirklich zu viel? Die Medizin hat dafür klare Grenzen: Polyurie beginnt bei einer Urinproduktion über 50 ml pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag, Polydipsie bei einer Wasseraufnahme über 100 ml pro Kilogramm täglich.[1]
Konkret heißt das: Ein 10-kg-Hund darf bis zu einem Liter Wasser pro Tag trinken, ohne dass es auffällig ist. Trinkt er deutlich mehr — also anderthalb oder zwei Liter — ist das ein klares Signal. Für einen 30-kg-Hund liegt die Grenze bei drei Litern.
Füll den Wassernapf morgens mit einer genau abgemessenen Menge — zum Beispiel 1.500 ml. Notiere, wie viel am nächsten Morgen noch drin ist, und zieh das vom Ausgangswert ab. Wenn du mehrere Hunde hast oder der Hund auch draußen trinkt, ist die Messung schwieriger — sag das dem Tierarzt. Selbst eine grobe Schätzung ist besser als keine Angabe. Diese Messung vor dem Termin zu machen, beschleunigt die Diagnose erheblich.[1]
Wichtig: Polyurie und Polydipsie hängen physiologisch zusammen, aber die Richtung der Kausalität ist nicht immer dieselbe. Manchmal produziert der Körper zu viel Urin — und der Hund muss mehr trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Manchmal trinkt der Hund aus einem anderen Grund zu viel — und scheidet deshalb mehr aus. Dieser Unterschied ist für die Diagnose entscheidend.
Die häufigsten Ursachen — und was dahintersteckt
Die Liste möglicher Ursachen ist lang. Aber vier Erkrankungen machen den Löwenanteil der Fälle aus. Jede davon hat einen anderen Mechanismus, andere Begleitsymptome und eine andere Behandlung.
Cushing-Syndrom (Hyperadrenocortizismus)
Das Cushing-Syndrom ist eine der häufigsten Ursachen für PU/PD beim Hund. In einer Studie mit 115 betroffenen Hunden zeigten 80 % Polyurie und 82,6 % Polydipsie als Leitsymptome.[2] Besonders häufig betroffen: Pudel, Dackel und Yorkshire Terrier.
Was passiert dabei im Körper? Die Nebennieren produzieren zu viel Cortisol — entweder weil die Hirnanhangsdrüse zu viel ACTH ausschüttet (in etwa 80–85 % der Fälle) oder weil ein Tumor direkt in der Nebenniere sitzt.[3] Cortisol hemmt das antidiuretische Hormon (ADH), das normalerweise die Niere anweist, Wasser zurückzuhalten. Ohne diesen Bremseffekt produziert die Niere große Mengen verdünnten Urin — und der Hund muss trinken, um nicht auszutrocknen.
Neben PU/PD siehst du oft einen aufgeblähten Bauch, dünner werdende Haut, Haarausfall und eine auffällige Appetitzunahme. Ein validiertes Vorhersagemodell zeigt: Polydipsie, Bauchumfangszunahme und erhöhte Alkalische Phosphatase im Blut sind die stärksten Hinweiszeichen auf Cushing.[5]
Geheilt werden kann Cushing in den meisten Fällen nicht, aber gut kontrolliert. Das Medikament der Wahl ist Trilostan, das die Cortisolproduktion hemmt.[3] Viele Hunde leben damit jahrelang stabil.
Diabetes mellitus
Beim Diabetes mellitus fehlt entweder Insulin oder die Körperzellen reagieren nicht mehr darauf. Dadurch steigt der Blutzucker stark an. Die Niere versucht, den überschüssigen Zucker über den Urin auszuscheiden — und zieht dabei Wasser mit. Das Ergebnis: große Mengen zuckerhaltiger Urin, starker Durst, und trotz gutem Appetit oft Gewichtsverlust.[6]
Das klassische Bild: ein Hund der viel trinkt, viel frisst, trotzdem abnimmt und häufig uriniert. Diabetes mellitus erfordert lebenslange Insulintherapie — aber mit guter Einstellung können betroffene Hunde ein weitgehend normales Leben führen.[6]
Chronische Nierenerkrankung (CKD)
Gesunde Nieren konzentrieren den Urin — sie filtern Abfallstoffe heraus und halten gleichzeitig Wasser im Körper. Wenn die Niere zunehmend geschädigt ist, verliert sie diese Fähigkeit. Der Urin wird dünn und wässrig, der Hund muss mehr ausscheiden und trinkt entsprechend mehr, um den Verlust auszugleichen.[8]
Das Tückische: Besitzer erkennen diese Zeichen oft erst spät.[8] Bis eine Nierenerkrankung im Blut auffällt, sind oft schon zwei Drittel der Nierenfunktion verloren. Frühe Diagnose über Urinuntersuchung und spezifische Biomarker wie SDMA kann den Verlauf entscheidend verlangsamen.
Diabetes insipidus
Diabetes insipidus hat trotz des ähnlichen Namens nichts mit Blutzucker zu tun. Hier fehlt entweder das antidiuretische Hormon ADH (zentraler Diabetes insipidus) oder die Niere reagiert nicht darauf (nephrogener Diabetes insipidus).[4] In beiden Fällen kann die Niere kein Wasser zurückhalten — der Hund produziert extreme Mengen sehr verdünnten Urins und trinkt entsprechend viel.
Neue Copeptin-basierte Tests könnten künftig eine präzisere Unterscheidung zwischen den Formen ermöglichen.[4] Heute wird die Diagnose vor allem über den Wasserentzugstest und den ADH-Stimulationstest gestellt.
Weitere Ursachen
Die Liste endet dort nicht. Auch Lebererkrankungen, Pyometra (Gebärmuttervereiterung bei unkastrierten Hündinnen), Hypokalzämie, bestimmte Medikamente (vor allem Kortison und Diuretika) sowie Hyperkalzämie können PU/PD auslösen. Und dann gibt es noch die psychogene Polydipsie.
Manche Hunde trinken zu viel, ohne dass eine organische Ursache vorliegt. Betroffene sind meist jung, systemisch gesund und haben häufig eine ängstliche oder hyperaktive Persönlichkeit.[7] Das exzessive Trinken ist eine Verhaltensreaktion — auf Langeweile, Stress oder Angst. Weil sie so viel trinken, müssen sie auch viel urinieren. Die Diagnose ist eine Ausschlussdiagnose: Erst wenn alle organischen Ursachen ausgeschlossen sind, kommt psychogene Polydipsie in Betracht.
Woran du es erkennst — und wann du sofort handeln musst
Das Leitsymptom ist eindeutig: dein Hund trinkt spürbar mehr als sonst und uriniert häufiger oder in größeren Mengen. Aber die Begleitsymptome geben wichtige Hinweise auf die Ursache.
- Aufgeblähter Bauch + Haarausfall + gesteigerter Appetit: Verdacht auf Cushing-Syndrom — Termin beim Tierarzt innerhalb weniger Tage
- Viel trinken + viel fressen + Gewichtsverlust: Verdacht auf Diabetes mellitus — zeitnah zum Tierarzt
- Viel trinken + Appetitlosigkeit + Erbrechen + Gewichtsverlust: Verdacht auf Nierenerkrankung oder Lebererkrankung — bald zum Tierarzt
- Extremes Trinken ohne andere Symptome bei jungem, gesunden Hund: Mögliche psychogene Polydipsie — Ausschlussdiagnostik nötig
- Unkastrierte Hündin + PU/PD + Ausfluss oder Lethargie: Verdacht auf Pyometra — sofort zum Tierarzt
- Unkastrierte Hündin mit starkem Durst, Lethargie, Erbrechen oder Ausfluss aus der Scheide — mögliche Pyometra, lebensbedrohlich
- Hund trinkt extrem viel, wirkt schwach, taumelt oder kollabiert
- Starker Gewichtsverlust innerhalb weniger Wochen kombiniert mit PU/PD
- PU/PD plus Erbrechen plus Durchfall plus Appetitlosigkeit — mögliche schwere Niereninsuffizienz oder Vergiftung
- Hund uriniert nicht mehr, obwohl er viel trinkt — mögliche Harnwegsobstruktion
Wie die Diagnose abläuft
Der Tierarzt wird zunächst eine gründliche Anamnese aufnehmen — deine Beobachtungen zur Trinkmenge, seit wann die Symptome bestehen und welche Begleitsymptome du bemerkst. Dann folgt ein systematischer Diagnoseprozess.[1]
| Untersuchung | Was sie zeigt | Typische Kosten |
|---|---|---|
| Urinuntersuchung (Urinstatus + spezifisches Gewicht) | Konzentrationsfähigkeit der Niere, Zucker im Urin, Entzündungszeichen | 15–40 € |
| Blutbild + Blutchemie | Nierenwerte, Leberwerte, Blutzucker, Elektrolyte, Alkalische Phosphatase | 60–120 € |
| ACTH-Stimulationstest / Low-Dose-Dexamethason-Suppressionstest | Bestätigung oder Ausschluss Cushing | 80–150 € |
| Ultraschall Bauch | Nebennierengröße, Nieren, Leber, Gebärmutter | 60–120 € |
| Wasserentzugstest | Differenzierung Diabetes insipidus vs. psychogene Polydipsie | stationär, 150–300 € |
Die Reihenfolge ist nicht immer dieselbe — der Tierarzt wird nach den wahrscheinlichsten Ursachen vorgehen. Oft reichen Blutbild, Blutchemie und Urinuntersuchung für eine erste Eingrenzung. Weiterführende Tests kommen dann gezielt dazu.
Behandlung: Was hilft wirklich
Die Behandlung richtet sich immer nach der Grunderkrankung. Es gibt keine Therapie „gegen PU/PD“ — wer nur das Symptom behandelt, löst das Problem nicht.
| Ursache | Behandlung | Prognose |
|---|---|---|
| Cushing-Syndrom (PDH) | Trilostan täglich oral; regelmäßige Kontrolluntersuchungen | Gut kontrollierbar, nicht heilbar |
| Cushing-Syndrom (Nebennièrentumor) | Trilostan oder Mitotane; ggf. Operation | Abhängig von Tumorart |
| Diabetes mellitus | Lebenslange Insulintherapie + Diät | Gut managebar mit konsequenter Therapie |
| Chronische Nierenerkrankung | Nierendiät, Phosphatbinder, Blutdruckkontrolle, ggf. Erythropoetin | Verlangsamung möglich, nicht heilbar |
| Zentraler Diabetes insipidus | Desmopressin (ADH-Analogon) als Nasentropfen oder Tablette | Gut auf Medikament ansprechend |
| Nephrogener Diabetes insipidus | Behandlung der Grundursache; symptomatisch schwieriger | Abhängig von Ursache |
| Psychogene Polydipsie | Verhaltenstherapie, Stressreduktion, kontrollierte Wassergabe | Gut bei konsequenter Umsetzung |
| Pyometra | Notfall-Operation (Kastration) | Sehr gut bei früher Operation |
Was passiert, wenn du nichts tust
Das ist die Frage, die viele Halter beschäftigt — und die ehrliche Antwort ist: Es kommt auf die Ursache an, aber abwarten ist fast nie die richtige Entscheidung.
Beim Cushing-Syndrom verschlechtert sich der Zustand schleichend. Chronisch erhöhtes Cortisol schädigt langfristig Nieren, Leber, Haut und das Immunsystem. Hunde mit unbehandeltem Cushing entwickeln häufig Bluthochdruck, Blutgerinnungsstörungen und sind anfälliger für Infektionen.
Unbehandelter Diabetes mellitus führt zu Ketoazidose — einem lebensbedrohlichen Zustand, bei dem der Körper beginnt, Fett als Notfallenergie zu verbrennen und dabei giftige Ketonkörper produziert. Das kann innerhalb von Tagen kritisch werden.
Chronische Nierenerkrankung schreitet fort, wenn sie nicht behandelt wird. Frühe Intervention — Diät, Blutdruckkontrolle, Phosphatreduktion — kann die Restfunktion der Niere über Jahre erhalten.
Und bei der Pyometra: Ohne Operation stirbt die Hündin. Das ist keine Übertreibung.
Was du zuhause tun kannst — und was nicht
Es gibt kein Hausmittel gegen Polyurie und Polydipsie. Das liegt in der Natur der Sache: Die Symptome sind Ausdruck einer Grunderkrankung, die diagnostiziert und behandelt werden muss. Was du tun kannst:
- Wasseraufnahme messen: 24 Stunden lang protokollieren — das ist die wertvollste Information für den Tierarzt
- Urinprobe sammeln: Morgens den ersten Urin in einem sauberen Behälter auffangen und innerhalb von zwei Stunden zum Tierarzt bringen — oder bis dahin gekühlt lagern
- Symptome dokumentieren: Seit wann, wie stark, welche Begleitsymptome — ein kurzes Foto oder Video vom Hund beim Trinken kann helfen
- Wasser nicht rationieren: Bis zur Diagnose sollte der Hund freien Zugang zu Wasser haben — Flüssigkeitsentzug ohne Aufsicht kann gefährlich sein
- Wasser einschränken: Ohne tierärztliche Anweisung niemals — kann zu gefährlicher Dehydrierung führen, besonders bei Nierenerkrankung
- Abwarten und beobachten: PU/PD verschwindet nicht von selbst, wenn eine organische Ursache dahintersteckt
- Kortison oder andere Medikamente selbst absetzen: Wenn dein Hund bereits Medikamente bekommt, die PU/PD verursachen könnten — immer zuerst mit dem Tierarzt sprechen
Kosten im Überblick
Die Diagnostik kostet je nach Aufwand zwischen 80 und 400 Euro. Eine einfache Urin- und Blutuntersuchung liegt oft bei 80–150 Euro. Wenn weiterführende Tests wie der ACTH-Stimulationstest oder ein Ultraschall dazukommen, steigt es auf 200–400 Euro.
Die laufenden Behandlungskosten hängen stark von der Diagnose ab. Trilostan für Cushing kostet je nach Dosierung und Hundegröße 50–120 Euro pro Monat, dazu kommen regelmäßige Kontrollblutbilder. Insulin für Diabetes mellitus liegt bei 30–80 Euro pro Monat, plus Blutzuckerkontrollen. Für Nierenerkrankungen sind Spezialdiätfutter und regelmäßige Kontrollen einzuplanen.
Eine Tierkrankenversicherung kann hier sinnvoll sein — besonders bei Rassen, die für Cushing oder Diabetes prädisponiert sind.
Kann es wiederkommen?
Das hängt von der Grunderkrankung ab. Cushing ist chronisch — die Symptome kehren zurück, wenn die Medikation unterbrochen wird oder die Dosierung nicht mehr passt. Regelmäßige Kontrollen alle drei bis sechs Monate sind Standard. Diabetes mellitus erfordert lebenslange Therapie; der Insulinbedarf kann sich über die Zeit verändern. Nierenerkrankung schreitet trotz Therapie langsam fort — das Ziel ist Verlangsamung, nicht Heilung.
Psychogene Polydipsie kann bei unveränderter Lebenssituation immer wieder auftreten. Hier ist die Ursache zu finden und zu beheben — ob das Langeweile, Stress oder ein Umgebungswechsel ist.
Mein Hund trinkt mehr als sonst — wann ist das wirklich ein Problem?
Wenn dein Hund mehr als 100 ml Wasser pro Kilogramm Körpergewicht täglich trinkt, ist das medizinisch als Polydipsie definiert. Ein 20-kg-Hund darf also bis zu zwei Liter trinken — alles darüber ist ein Signal. Auch wenn die Menge im Normalbereich liegt, aber sich das Verhalten deutlich verändert hat, lohnt sich eine Urin- und Blutuntersuchung.
Kann Hitze oder Sport erklären, dass mein Hund so viel trinkt?
Ja, kurzfristig. Nach intensiver Bewegung oder bei hohen Temperaturen trinken Hunde mehr — das ist normal. Problematisch wird es, wenn der erhöhte Wasserkonsum anhält, auch wenn dein Hund sich nicht besonders angestrengt hat oder es nicht heiß ist. Wenn du dir unsicher bist: Menge messen und mit dem Tierarzt besprechen.
Welche Rassen sind besonders häufig betroffen?
Beim Cushing-Syndrom sind Pudel, Dackel und Yorkshire Terrier überrepräsentiert. Diabetes mellitus tritt häufiger bei Samojeden, Australischen Terriern und Pudeln auf. Chronische Nierenerkrankung kann alle Rassen treffen, ist aber bei älteren Hunden generell häufiger. Für psychogene Polydipsie gibt es keine klare Rasseprädisposition — sie tritt vor allem bei jungen, aktiven Hunden auf.
Muss ich eine Urinprobe zum Tierarzttermin mitbringen?
Das ist sehr empfehlenswert. Am besten den ersten Morgenurin in einem sauberen, verschließbaren Behälter auffangen — viele Tierarztpraxen geben dafür spezielle Becher aus. Die Probe innerhalb von zwei Stunden abgeben oder bis dahin im Kühlschrank lagern. Der Tierarzt kann damit sofort das spezifische Gewicht bestimmen, das ein wichtiger erster Hinweis auf die Ursache ist.
Kann mein Hund mit Cushing oder Diabetes noch ein normales Leben führen?
Ja, in vielen Fällen. Hunde mit gut eingestelltem Cushing-Syndrom unter Trilostan-Therapie können jahrelang stabil und beschwerdearm leben. Auch Diabetes-Hunde mit konsequenter Insulintherapie und angepasster Ernährung haben eine gute Lebensqualität. Der Schlüssel ist regelmäßige Kontrolle und konsequente Therapie.
Kann Kortison, das der Tierarzt verschrieben hat, PU/PD auslösen?
Ja, das ist eine häufige Ursache. Kortikosteroide — ob als Tablette, Spritze oder manchmal sogar als Ohrenpräparat — können Polyurie und Polydipsie als Nebenwirkung auslösen, weil sie wie körpereigenes Cortisol wirken und ADH hemmen. Wenn dein Hund gerade Kortison bekommt und mehr trinkt als sonst, ist das wahrscheinlich die Erklärung. Trotzdem: Medikamente nie eigenmächtig absetzen, sondern mit dem Tierarzt besprechen.
Was kostet die Abklärung von Polyurie und Polydipsie beim Tierarzt?
Eine erste Basisdiagnostik mit Urinuntersuchung und Blutbild liegt meist bei 80–150 Euro. Wenn weiterführende Tests nötig sind — ACTH-Stimulationstest für Cushing, Ultraschall, Wasserentzugstest — können es 200–400 Euro werden. Die Behandlungskosten variieren stark je nach Diagnose: von einmaligen Eingriffen bis zu monatlichen Medikamentenkosten von 50–120 Euro.
Quellen
- Diagnostic approach to polyuria and polydipsia in dogs. In Practice. 2019.
- Epidemiological, clinical, and laboratory aspects in a case series of canine hyperadrenocorticism: 115 cases (2010–2014). Pesquisa Veterinaria Brasileira. 2019.
- Treating canine Cushing’s syndrome: Current options and future prospects. Veterinary Journal. 2018.
- Arginine vasopressin and copeptin: comparative review in veterinary medicine. Frontiers in Veterinary Science. 2025.
- Development and internal validation of a prediction tool to aid the diagnosis of Cushing’s syndrome in dogs attending primary-care practice. Journal of Veterinary Internal Medicine. 2020.
- Diabetes mellitus in dogs and cats and its associated complications. The Veterinary Nurse. 2024.
- Psychogenic polydipsia in dogs: a review. 2026.
- Replicating real-world evidence methods to assess burden and outcomes for dogs with chronic kidney disease in the USA. Frontiers in Veterinary Science. 2025.